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Ernährung bei Morbus Crohn – oder wie langweilig kann Essen eigentlich noch sein?

Wer meinen Blog verfolgt weiß, dass ich seit gut 30 Jahren Mb. Crohn habe und damit früher schlechter und heute besser lebe.

Zu Beginn nahm ich meine Erkrankung nicht ernst – ich wusste was ich habe, ich wusste, es ist nicht heilbar – rückblickend betrachtet wusste ich gar nichts!

Ich aß wie ich dachte und worauf ich Lust hatte, ich trank auf Partys gut Alkohol und ja, ich rauch(t)e.

An manchen Tagen konnte ich die Bauchschmerzen ganz gut ertragen, an anderen lag ich gekrümmt und wimmernd im Bett.

Ich wollte nicht wahrhaben, dass ein Arztbesuch Abhilfe schaffen könnte – schließlich, so redete ich mir ein, habe ich eine medizinische Ausbildung und weiß ja schon alles… ganz schön eingebildet, oder?

Mit der Zeit gipfelten meine Schmerzen darin, dass ich es nicht ertragen konnte, wenn jemand nur ganz leicht meinen Bauch berührte, meinem Osteopathen bot ich Schläge an, wenn er mir weiterhin so weh tat. (natürlich mit einem Lächeln auf den Lippen)

Ja ich lächelte alles weg und gab vor, dass es mir gut ginge. Nur meine engsten Freunde wussten bzw. sahen, wann es mir dreckig ging.

Sie sahen, wie ich auf Stühlen rumrutschte, weil ich nicht mehr sitzen konnte, zählten heimlich meine Toilettenbesuche oder standen Schmiere, wenn ich auf einer öffentlichen Toilette etwas Privatsphäre brauchte.

Als ich mit dem Jüngsten schwanger war beschloss ich eine weitreichende Entscheidung – Katharina, du nimmst dich und deine Erkrankung jetzt endlich mal ernst und bewegst dich Richtung Gesundheit!

Dieser Entschluss ist nun 13 Jahre alt und ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich mir selbst so dramatisch in den Arsch getreten hatte.

 

Wie habe ich das angestellt?

Zunächst wollte ich es wieder im Alleingang durch Umstellung meines Mindsets und meiner Ernährung klären.

Mein Denken und meine Herangehensweise bzw. warum habe ich überhaupt diese Krankheit bekommen, konnte ich ganz gut alleine klären – ich las viel, schrieb viel und meditierte – die Schmerzen und Durchfälle blieben aber.

Ernährungstechnisch habe ich alles Mögliche probiert, ich ernährte mich vegetarisch, vegan, trank keinen, wirklich keinen Alkohol mehr, nahm verschiedene Präparate – alles half nicht wirklich.

Mir ging es zwar etwas besser, aber ich war noch nicht dort wo ich hin wollte.

Wieder gingen Jahre ins Land – um genau zu sein, platzte mir der Arsch im Oktober 2018!

Da machte ich einen Termin bei einem Gastroenterologen.

Diese Begegnung hätte mich fast wieder ins Boxhorn gejagt, denn er wollte nur Geld mit der Darmspiegelung verdienen und betitelte mich als Simulant!

Erst nach der Stuhlprobe geriet er etwas in Panik, weil der Entzündungswert exorbitant hoch war.

Mittlerweile war Mai 2019, ich hatte mich glücklicherweise schon bei einem anderen Arzt um eine Zweitmeinung bemüht – dieser trat mir gänzlich anders gegenüber und glaubt es, oder lasst es – er war der erste Arzt, der mich wirklich untersucht hat.

Nun kam es zu engmaschigen Kontrollen und der Aussicht auf Hilfe.

Lange Rede – ich hatte die Backen so richtig dicke und sprach eine OP an, ich konnte nicht mehr. Der Stress auf Arbeit holte mich täglich ein, der Bau des Hauses hatte mich ebenso gefordert und der damalige Freund war schon im Gehen… ich war einfach nur ein Wrack.

 

Die OP wurde dann wirklich in die Wege geleitet und jeder der involviert war, war anschließend sprachlos – wie konnte sie nur mit diesen Schmerzen leben, arbeiten, ein Haus bauen, Kinder bekommen und jeden Tag lächeln???

 

Nach der OP war dann alles anders und vor allem besser, ich hatte zwar eine Gallensaftresorbitionsstörung bekommen, aber die kann man in den Griff bekommen – und zwar nicht nur medikamentös:

Seit Sommer 2023 esse ich ketogen und wenn ich brav bin, es nicht Weihnachten ist und ich mich nicht beherrschen kann, geht’s mir damit richtig gut.

 

Ihr fragt euch sicher, was ketogene Ernährung ist – bei dieser Form der Ernährung verzichtet man fast gänzlich auf Kohlehydrate UND Zucker.

 

Die nächste Frage die ihr euch stellt, lautet wahrscheinlich – was kann man denn da noch essen??? Das muss doch maximal langweilig sein!

 

Meine klare Antwort ist – nein! Nein es ist nicht langweilig, ganz im Gegenteil. Allerdings sollte man offen für Neues sein und gern alte Denkmuster verlassen wollen.

Und nein, man steht nicht länger in der Küche, wenn man das nicht mag.

Das Einzige was mich manchmal wehmütig und etwas traurig macht sind die Wassermelonen und anderes saftiges Obst, was ich nun nicht mehr essen kann. Mein einziger Trost sind die Beerenfrüchte, die sind erlaubt, da nicht so viel Fruchtzucker in ihnen enthalten ist.

Auch Kartoffeln fehlen mir, vor allem wenn die Kartoffelklöße winken… dann weine ich innerlich etwas vor mich hin, oder nehme 2 Wochen Durchfall in Kauf… meistens bin ich stark.

Keto ist extrem vielseitig und man kann fast alle Speisen ketogenisieren. Beispielsweise backe ich mir jede Woche ein Brot aus Bambusfasern und Kekse aus Mandelmehl, selbst mein heißgeliebtes Nutella stelle ich mir selbst her.

Und das allerbeste bei Keto ist – Fett ist dein Freund – ich liebe meinen Erdbeer – Mandelmilch – SAHNE – Shake mit Möchsfruchtzucker….könntschdrinbaden…

 

Der sensationelle Nebeneffekt ist – man nimmt ab und das Gewicht pendelt sich dort ein wo man sich wohl fühlt – jedenfalls ist das bei mir so.

 

Man sagt ja, einmal Essstörung – immer Essstörung – nee das kann ich so gar nicht bestätigen – früher habe ich mich JEDEN Morgen gewogen und habe der Zahl auf der Waage so die Macht über mein Wohlfühlen gegeben – heute weiß ich nicht wieviel ich wiege – ich fühle mich in meiner Haut wohl, da ist es mir Rille was die Waage für ne Meinung dazu hat. Ich glaube sie weint leise unter dem Druck der Staubschicht.

 

So und nun schenke ich euch noch das Rezept für das ketogene Bambusfaserbrot:

120g Bambusfaser

30g Eiklarpulver

50g Flohsamenschalen

14g Trockenhefe für den Geschmack

1 Pk Weinsteinbackpulver

50ml Apfelessig

4 Eier (M)

Salz nach Geschmack

250g Naturjoghurt – ich nutze natürlich den 10%igen

200ml heißes Wasser

Bei 200 Grad Umluft für gute 35 min backen – wer mag kann aus dem Teig auch Brötchen oder kleine Baguettes formen, dann bitte verkürzt und auf Sicht backen.

 

Und mal ehrlich, ich kann zwar ganz gut kochen, aber backen war nie mein Thema, und wenn ich das kann – kann das jeder.

 

Viel Spass beim Ausprobieren.

 

Bei Fragen oder Anregungen traut euch unbedingt mich über mein Kontaktformular zu kontaktieren oder greift beherzt zum Hörer.

 

Kulinarische Grüße an alle

Katharina

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